21.04.2017

Maßgeschneidert und nicht alltäglich: Grabenlose Eiprofil-Sanierung eines Hauptsammlers

Im Januar 2016 startete das einzigartige Projekt "Sanierung des Kanalisationsnetzes in der Agglomeration in Włocławek" mit der Unterzeichnung des Vertrages zwischen der Firma F.H.U. "Instbud Stanislaw Boguta“ als Auftragnehmer und der Stadt Włocławek in Polen auf Grundlage einer offenen Ausschreibung. Ziel dieses Projektes war die komplexe Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes sowie die fachgerechte Umsetzung der geplanten Sanierungsverfahren. 

Das umfassende Leistungspaket beinhaltete neben Reinigung, TV-Inspektion, Bewertung des Altrohr-Zustandes sowie technischer Leistungsfähigkeit und Dokumentation auch die Auswahl der Sanierungstechnologie und Durchführung der Sanierungsarbeiten. Geplant war die Sanierung zweier Abschnitte des Kanalnetzes mit Hausanschlüssen und Schächten. Der erste Bauabschnitt in der ul. Kapitulna umfasste den Hauptsammler über eine Gesamtlänge von 600 m mit folgenden Arbeiten:

  • · Sanierung einer Abwasserleitung Ei-Profil 1000/1500 über ca. 470 m mit dem SAERTEX-LINER® Typ S+
  • · Sanierung eine Abwasserleitung Ei-Profil 600/900 über ca. 130 m mit dem SAERTEX-LINER® Typ S+
  • · Sanierung von Abwasserleitungen DN 150 und DN 200 mit einer Gesamtlänge von 113 m und die
  • · Sanierung von insgesamt 13 Schächten 

 

Organisatorische Herausforderungen aufgrund bestehender Verkehrsstruktur

Ort dieses einmaligen Projektes sind die Straßen ul. Kapitulna und ul. Grüner-Markt in der Stadt Włocławek, die mit knapp 120.000 Einwohnern in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern (Polen) liegt. Bei der ul. Kapitulna handelt es sich um eine der Hauptstraßen im westlichen Teil der Stadt und eine der Hauptadern zum Stadtzentrum. Sie zeichnet sich durch sehr starkes Verkehrsaufkommen aus, da der westliche Teil der Stadt vom Zentrum durch die Bahnlinie Torun - Kutno abgeschnitten ist. Es ist eine vierspurige Straße mit jeweils zwei Spuren in westlicher und zwei Spuren in östlicher Richtung, die als eine der wenigen Zuwege unter dieser Bahnlinie hindurchführt. Die ul. Grüner-Markt hingegen liegt direkt im Stadtzentrum – hierbei handelt es sich um eine zweispurige Straße, die noch aus historischem Kopfsteinpflaster besteht. 


Der Verkehr musste während der Sanierungsarbeiten an den Hauptverkehrswegen ohne Einschränkung weiterfließen.

Bild 1: Der Verkehr musste während der Sanierungsarbeiten an den Hauptverkehrswegen ohne Einschränkung weiterfließen.

Der Hauptsammler auf der Straße ul. Kapitulna wurde bereits 1959 von einem Ingenieurbüro aus Danzig geplant, um auf einer Gesamtlänge von rund 2.000 m das Abwasser aus allen südwestlichen Vierteln von der Großstadt an der Weichsel abzuleiten. Davor waren Teile von Włocławek nicht ordnungsgemäß an das bestehende Abwassernetz angeschlossen bzw. waren nur unzureichende Entwässerungsleitungen einzelner Gebäude vorhanden. Das Projekt beinhaltete eine Unterquerung der Bahnlinie in einer Tiefe von 8 m, da die Funktionsfähigkeit und der Betrieb des Abwasserkanals nicht gestört werden durfte. Der Hauptsammler wurde vor über 50 Jahren in den 60er Jahren aus Klinker erbaut. 

Bild 2: Vorhandener Bestand an teils historischen Planungsunterlagen

Um die HD-Reinigung der Kanäle durchführen zu können, wurde eine verkehrsrechtliche Anordnung beantragt. Es musste aufgrund der stark frequentierten Straße gewährleistet werden, dass der Verkehr während der Arbeiten einspurig uneingeschränkt weiterfließen kann.

Täglich neue Überraschungen begleiteten das Projekt bis zum Ende

Die Arbeiten zur Zustandserfassung des Netzes wurden nach Genehmigung des Projektes im Mai 2016 ausgeführt. Die Verschmutzung des Kanales führte in einzelnen Abschnitten zu einer Querschnittsreduzierung von 70%. Für die Reinigung und Entfernung der Ablagerungen im Kanal wurde über einen Zeitraum von rund 30 Tagen ein Hochleistungsspülfahrzeug eingesetzt. Im Kanal stießen die Mitarbeiter auf viele Überraschungen: Abfälle mit beeindruckenden Dimensionen, die grundsätzlich nicht im Abwasserkanal entsorgt gehören, war nur eine davon. Problematisch waren auch kleine, lästige Lumpen und Einweg-Handtücher, die notorisch und hartnäckig Siebe der Fahrzeuge und Körbe der Pumpen verstopften. Dieser Umstand störte die Kontinuität der Arbeiten: Aufgrund der Notwendigkeit der entsprechenden Reinigungen in kurzen Intervallen musste die Arbeit immer wieder unterbrochen werden. Diese extreme Herausforderung begleitete die Maßnahme bis zum Ende des Projektes.

Nach der Reinigung und dem Freilegen der Oberflächen des Altrohres wurde die Bestandsaufnahme und Bewertung des technischen Altrohr-Zustandes durchgeführt. Die Ablagerungen in der Sohle des Kanals führten dazu, dass diese in einen sehr guten Zustand war, während der obere Teil durch die aggressiven Abwasser-Dämpfe korrodiert war. Die Bewertung des Kanals hat so gut wie keine Verformung gezeigt, so dass dieser in den Altrohrzustand II eingestuft wurde. Im Zuge der Bestandsaufnahme wurde eine vollständige Überprüfung und Dokumentation mit einer TV-Selbstfahrkameraeinheit durchgeführt.

Punktlandung bei Planung, Organisation und Ausführung

Hinsichtlich der Gestaltung und Auswahl der Technologie verlor das Einzelrohr-Lining aus GFK-Rohren (GRP Module) zu Gunsten der vor Ort härtenden Schlauchlining-Technologie mittels eines harzgetränkten GFK-Schlauchliners. Hauptargument für die Auswahl dieser Sanierungstechnologie war insbesondere die fehlende Notwendigkeit des Rückbaus der Konen bei den Anfangsschächten. Im Rahmen der Festlegung des Schlauchliners wurde der SAERTEX-LINER® Typ S+ ausgewählt, der sehr gute mechanische Eigenschaften wie zum Beispiel im Vergleich zu anderen GFK-Produkten deutlich höheres E-Modul (Kurzzeit-E-Modul = 20.500 N/mm2) aufweist. Dadurch konnte ein GFK-Liner mit geringstmöglicher Wanddicke eingesetzt und somit den hohen Anforderungen des Auftraggebers optimal gerecht werden.

Bild 3: Einzug des SAERTEX-LINER® mittels für Großprofile entwickelten Förderbands SAERTEX® multiBelt

 

Die Arbeiten in Zusammenhang mit der Umsetzung begannen im Oktober 2016. Das Projekt der Sanierung des Hauptsammlers wurde in drei Bauabschnitte unterteilt. Die Abwasserumlenkung durch Pumpeneinsatz wurde sichergestellt und in einem Drei-Schicht-System überwacht. Jeder der Bauabschnitte durfte eine Arbeitslänge von 110 m nicht überschreiten. Diese Aufteilung wurde durch das hohe Verkehrsaufkommen und 

den damit verbundenen Vorgaben der verkehrsrechtlichen Anordnung forciert, um die geringstmögliche Behinderung der öffentlichen Verkehrsmittel sicherzustellen. Ein weiteres wichtiges Element der Arbeiten war die Anlieferung der GFK-Schlauchliner selbst: Es musste eine optimal passende Entladeposition gefunden werden, da die Arbeiten auf einer stark befahrenen Straße mit einem Kran durchgeführt werden mussten. Der schwerste GFK-Schlauchliners hatte ein Gewicht von 15 Tonnen. 

Bild 4: Herausforderung angenommen: 15 t SAERTEX-LINER® punktegenau auf die Baustelle gesetzt

Die für dieses Projekt maßgeschneiderten SAERTEX-LINER® Typ S+ Ei-Profil 1000/1500 über ca. 470 m und Eiprofil 600/900 über ca. 130 m wurden mittels einer UV-Lichterkette 12 x 1.000 Watt bei einer Geschwindigkeit von 15 cm pro Minute ausgehärtet – hier dauerte die vollständige Aushärtung beim längsten GFK-Schlauchliner ca. 16 Stunden.

Im Rahmen der parallel laufenden Arbeiten war die Sanierung von Schächten erforderlich. Die Arbeiten an der Umsetzung der Sanierung des Hauptsammlers dauerten insgesamt eineinhalb Monate und wurden erfolgreich abgeschlossen. Hier hat sich zum wiederholten Male die hohe Qualität des SAERTEX-LINER® bestätigt. Nach der Entnahme der Linerproben wurden diese durch ein Prüfinstitut mit sehr guten Ergebnissen belegt.

 

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